Schweinswal setzt Badegast auf Hopfenberg ab
Ein ungewöhnlicher Zwischenfall während einer Live-Rollenspielveranstaltung am Edersee hat am vergangenen Wochenende einen mehrstündigen Sucheinsatz ausgelöst. Ein Teilnehmer wurde am folgenden Morgen unverletzt auf einem der bei Niedrigwasser freiliegenden Hopfenberge entdeckt.
Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sich der Teilnehmer in den Abendstunden von seiner Gruppe entfernt und war im Edersee schwimmen gegangen. Dabei soll er versucht haben, sich an einem Schweinswal festzuhalten.
Mehrere Zeugen berichteten später, der Mann habe zuvor angekündigt, ein „Lanzenturnier zu Wasser“ veranstalten zu wollen.
Schweinswal offenbar nicht am Turnier interessiert
Wie genau es anschließend zu dem ungewöhnlichen Transport kam, lässt sich bislang nicht vollständig rekonstruieren.
Nach Angaben des Teilnehmers gelang es ihm zunächst, sich für kurze Zeit auf dem Rücken eines Schweinswals zu halten. Als improvisierte Lanze soll eine Schwimmnudel gedient haben.
Ein zweiter Reiter konnte nicht gewonnen werden.
Das Tier schwamm anschließend mehrere hundert Meter in Richtung eines der durch das aktuelle Niedrigwasser teilweise freiliegenden Hopfenberge.
Dort endete die Begegnung.
Dr. Mike Weishaar vom Projekt Schweinswal Edersee hält das Verhalten des Tieres für durchaus plausibel:
„Schweinswale sind intelligente Tiere. Wenn ihnen etwas auf die Nerven geht, versuchen sie normalerweise, es wieder loszuwerden. Offenbar hat dieser hier eine geographische Lösung gefunden.“
Nacht auf dem Hopfenberg
Der Rollenspieler befand sich damit in einer ungewöhnlichen Situation. Der Hopfenberg war zwar bereits deutlich aus dem Wasser aufgetaucht, vom Ufer aus jedoch nur schwer erreichbar.
Da seine Gruppe zunächst davon ausging, dass der Teilnehmer zu seinem Zelt zurückgekehrt sei, wurde sein Fehlen erst später bemerkt.
Der Mann verbrachte die Nacht auf der Erhebung.
Am frühen Morgen versuchte er schließlich durch Rufen und ausdauerndes Winken auf sich aufmerksam zu machen. Spaziergänger am gegenüberliegenden Ufer bemerkten die Bewegungen und verständigten Helfer.
Er konnte wenig später geborgen werden und blieb nach ersten Erkenntnissen unverletzt.

Projektteam erinnert an Verhaltensregeln
Das Projekt Schweinswal Edersee nimmt den Vorfall zum Anlass, erneut auf die geltenden Empfehlungen bei Begegnungen mit den Tieren hinzuweisen.
Besucher sollten Schweinswale weder verfolgen noch anfassen oder versuchen, auf ihnen zu reiten.
Insbesondere wird davon abgeraten,
- Schweinswale als Reittiere zu verwenden,
- Schwimmnudeln, Äste oder vergleichbare Gegenstände als Turnierlanzen einzusetzen,
- die Tiere zum Bestandteil von Live-Rollenspielen zu erklären,
- während einer Begegnung eigenmächtig neue Regeln für mittelalterliche Wassersportarten festzulegen.
Projektleiter Weishaar:
„Wir haben in unserem Sicherheitskonzept tatsächlich vieles berücksichtigt. Berittene Lanzenkämpfe auf Schweinswalen gehörten bislang nicht dazu.“
Das Konzept werde entsprechend ergänzt.
Tier blieb unverletzt
Der beteiligte Schweinswal konnte am folgenden Vormittag identifiziert werden. Nach einer Sichtkontrolle zeigte das Tier keine erkennbaren Verletzungen oder Verhaltensauffälligkeiten.
René Weishaar fasste den Vorfall anschließend zusammen:
„Dem Wal geht’s gut. Dem Ritter auch. Damit können wir es eigentlich dabei belassen.“
Projekt Schweinswal Edersee
Nachhaltig. Regional. Limnisch.