Nachwuchs im Edersee erwartet
Erstmals seit Beginn des Projekts steht die Edersee-Population vor einem besonderen Ereignis: Die Schweinswalkuh âBibiâ ist trĂ€chtig. Nach aktuellen Untersuchungen entwickelt sich das Jungtier unauffĂ€llig.
Was zunÀchst nur durch VerÀnderungen im Fressverhalten aufgefallen war, konnte inzwischen durch mehrere Untersuchungen bestÀtigt werden: Bibi, eines der weiblichen Tiere des Projekt Schweinswal Edersee, erwartet Nachwuchs.
FĂŒr das Projektteam ist die TrĂ€chtigkeit von besonderer Bedeutung. Sie könnte erstmals zeigen, dass Fortpflanzung und Aufzucht einer Schweinswalpopulation unter limnischen Bedingungen dauerhaft möglich sind.
Verdacht nach ungewöhnlichem Fressverhalten
Erste Hinweise bemerkte René Weishaar bei der tÀglichen Kontrolle der Futteraufnahme.
Bibi zeigte ĂŒber mehrere Wochen einen deutlich erhöhten Appetit und entwickelte gleichzeitig eine ungewöhnliche Vorliebe fĂŒr gröĂere Futterfische. Besonders hĂ€ufig nahm sie kleine Barsche, Rotaugen und junge Zander an.
Gleichzeitig nahm ihre Bereitschaft merklich ab, fĂŒr kleinere Beutefische lĂ€ngere Strecken zurĂŒckzulegen.
René Weishaar:
âBei einem Koch gehen bei so etwas natĂŒrlich sofort die Alarmglocken an. Wenn jemand plötzlich doppelt so viel isst und anschlieĂend nur noch herumliegt, gibt es meistens einen Grund.â
Die anschlieĂenden Beobachtungen bestĂ€tigten den Verdacht.
Dr. Mike Weishaar: âDie Messwerte sind eindeutigâ
Die wissenschaftliche Begleitung ĂŒbernimmt Projektleiter Dr. Mike Weishaar. Neben regelmĂ€Ăigen Sichtkontrollen werden Bibis Bewegungsmuster und akustische Signale ausgewertet.
âWir sehen eine Gewichtszunahme, ein verĂ€ndertes Tauchprofil und eine deutliche Verschiebung ihrer Ruhephasen. Zusammengenommen sind die Messwerte ziemlich eindeutig. Bibi ist trĂ€chtig.â

Projektleiter Dr. Mike Weishaar bei einer routinemĂ€Ăigen Sichtkontrolle der trĂ€chtigen Schweinswalkuh âBibiâ im Edersee.
Ultraschall zunÀchst mit unerwarteten Schwierigkeiten
Bereits Anfang Mai sollte eine Ultraschalluntersuchung letzte Gewissheit bringen. Der erste Versuch verlief allerdings nicht vollstÀndig nach Plan.
WÀhrend der Untersuchung löste sich der verwendete Ultraschallkopf aus seiner provisorischen Sicherung und versank im Edersee.
Dr. Mike Weishaar erinnert sich:
âWir wussten ziemlich genau, wo er lag. Das Problem war nur, dass dort zu diesem Zeitpunkt ungefĂ€hr acht Meter Wasser ĂŒber ihm waren.â
Auf eine aufwendige Bergung durch Taucher wurde zunĂ€chst verzichtet. Der Schallkopf galt damit fĂŒr mehrere Monate als verloren.
Dann kam das Niedrigwasser.
Mit dem kontinuierlich sinkenden Pegel zog sich die Uferlinie wĂ€hrend des Sommers immer weiter zurĂŒck. Mitte August lag ausgerechnet der Bereich trocken, in dem das GerĂ€t im Mai verloren gegangen war.
Der Ultraschallkopf konnte schlieĂlich von einem Projektmitarbeiter zu FuĂ geborgen werden.
âWir haben drei Monate ĂŒberlegt, wie wir das Ding aus acht Metern Tiefe bekommen. Am Ende sind wir hingelaufen und haben es aufgehoben.â
Nach Reinigung, Trocknung und Austausch des Steckers konnte das GerĂ€t ĂŒberraschenderweise wieder in Betrieb genommen werden.
Ob die rund dreimonatige Lagerung auf dem Grund des Edersees Auswirkungen auf die Messgenauigkeit hat, wird derzeit noch geprĂŒft.
Erste Aufnahmen des Nachwuchses
Mit dem wiedergefundenen Schallkopf gelang inzwischen auch eine erste verwertbare Aufnahme des ungeborenen Jungtiers.
Die BildqualitÀt ist aufgrund von Sedimentablagerungen und möglicher FeuchtigkeitsschÀden eingeschrÀnkt. Dennoch lassen sich nach EinschÀtzung des Projektteams wesentliche Strukturen erkennen.

Geburt im FrĂŒhjahr erwartet
Die Tragzeit eines Schweinswals betrÀgt ungefÀhr zehn bis elf Monate.
Nach den bisherigen Untersuchungen geht das Projektteam davon aus, dass sich Bibi derzeit etwa im vierten bis fĂŒnften Monat der TrĂ€chtigkeit befindet.
Mit der Geburt wird daher voraussichtlich im FrĂŒhjahr 2027 gerechnet.
Das genaue Datum lÀsst sich bislang nicht bestimmen.
Dr. Weishaar:
âBibi hat uns leider nicht mitgeteilt, wann genau es passiert ist.â
Eine genauere Eingrenzung anhand der Bewegungsdaten der Tiere wird derzeit geprĂŒft.
Besondere Herausforderung fĂŒr das Zuchtprogramm
Schweinswale bringen normalerweise ein einzelnes Jungtier zur Welt. FĂŒr das Projekt stellt insbesondere die erste Geburt unter den besonderen Bedingungen des Edersees eine neue Situation dar.
Bibi soll deshalb in den kommenden Monaten engmaschig beobachtet werden.
FĂŒr die Zeit unmittelbar vor der Geburt ist vorgesehen, einen ruhigen und ausreichend tiefen Bereich des Edersees als temporĂ€re Wurf- und Aufzuchtzone auszuweisen.
Eine Verlegung in ein kĂŒnstliches Becken möchte das Projektteam möglichst vermeiden.
âWenn wir beweisen wollen, dass eine eigenstĂ€ndige Edersee-Population funktioniert, mĂŒssen wir irgendwann aufhören, bei jedem Problem einen Pool aufzustellen.â
Karl GroĂkurth noch einmal als Berater hinzugezogen
FĂŒr die Vorbereitung der Geburt wurde auch Karl GroĂkurth noch einmal hinzugezogen.
Der langjĂ€hrige Fachberater fĂŒr Reproduktionsfragen hatte sich Anfang 2026 altersbedingt aus der aktiven Projektarbeit zurĂŒckgezogen.
Aufgrund seiner jahrzehntelangen praktischen Erfahrung in der Reproduktionsbiologie erklĂ€rte er sich jedoch bereit, das Team bei der Vorbereitung der ersten Geburt beratend zu unterstĂŒtzen.
Seine erste EinschÀtzung nach Durchsicht der bisherigen Aufzeichnungen fiel gewohnt knapp aus:
âDas wird schon.â
FĂŒr das Projektteam war diese EinschĂ€tzung nach eigenen Angaben ausreichend.
Nachwuchs noch ohne Namen
Ob Bibi ein mÀnnliches oder weibliches Jungtier erwartet, ist bislang nicht bekannt.
Auch einen Namen gibt es deshalb noch nicht. Das Projektteam erwÀgt, die Bevölkerung rund um den Edersee zu gegebener Zeit an der Namensfindung zu beteiligen.
Fest steht allerdings bereits: Der Nachwuchs soll im Edersee bleiben.
Eine spĂ€tere Aufnahme in das kulinarische Forschungsprogramm ist ausdrĂŒcklich kein Bestandteil der aktuellen Planung.
René Weishaar kommentiert:
âJetzt lassen wir das Tier erst einmal geboren werden.â
Projekt Schweinswal Edersee
Nachhaltig. Regional. Limnisch.